Die Sonne ruft: An die Ruhr!
Kurz vor Frühlingsanfang ruft die Sonne. Ich folge dem Ruf und will mal wieder an die Ruhr.
Am Morgen ist es noch kühl, aber in der Sonne gut auszuhalten. Zwischen Hückeswagen und Bergisch Born gibt es dann die passende Adresse zum Tag:

Bis Lennep ist alles wunderbar ruhig und entspannt, dann folgt auf der „Balkantrasse“ ein etwas nerviges Gekurve durch Wohn- und Gewerbegebiete. (Ich muss mal suchen, ob ich da nicht einen einfacheren Weg finden kann.) Doch dann – im Tal des Marscheider Bachs – wird man mit einem wunderschönen Weg runter ins (und nach) Wuppertal entschädigt.
Eine knorrige Eiche und ein abgelegenes Haus am Weg:


Unten kommt der Weg in Laaken an – ein ganz ruhiger Ort. Doch bald muss man die Bahnlinie, die Wupper und die B7 überqueren, um steil rauf auf die Nordbahntrasse zu kommen. „Augen zu und durch!“ geht nicht, also „Augen auf und durch!“. Ich probiere beim nächsten Mal, ob ich einen Weg zum Bahnhof Langerfeld finde und dort auf die „Schwarzbahntrasse“ komme. Ist wohl ein Umweg, aber vielleicht gemütlicher.
Auf der Nordbahntrasse war es dann wieder entspannt, es ging stetig bergauf (und teilweise mit Gegenwind), aber alles gut machbar. Der Weg läuft durch Wälder, ich hatte den Eindruck, ich sei weit weg von der Stadt, doch hinter den Bäumen hatte man ab und zu den Blick auf Gewerbegebiete. Inzwischen war Mittagszeit, viele nutzten die Pause und den Sonnenschein für einen Spaziergang. Im Tunnel bei Schee war der Anstieg geschafft, jetzt runter an Sprockhövel vorbei nach Hattingen. Gut, dass es nicht der erste sonnige Tag war, denn der Weg ist nicht asphaltiert. Bei Nässe ist das weniger angenehm, wie ich vor drei Jahren erfahren hatte.
In Hattingen hab ich die Ruhr erreicht und bin am Nordufer entlang gefahren.
Staustufen sorgen dafür , dass die Ruhr hier ein sehr gemütlicher Fluss ist:

Beim Fotografieren verwöhnte mich ein blühender Busch (Winter-Heckenkirsche) mit betörendem Duft:

Dass die Gegend früher ganz anders aussah, davon zeugen Hinweise auf den früheren Bergbau in der Gegend:

Und dann – inzwischen fuhr ich am Südufer der Ruhr – standen da alte Kipploren auf dem Abstellgleis:

Mir fiel dabei der Song „The L and N don’t stop here anymore“ ein. Ich kenne den von Michelle Shoked, diese Version im Netz kommt dem am nächsten. Es ist schon merkwürdig, wie die Menschen der harten und gefährlichen Arbeit nostalgisch nachtrauern – wenn sie keine Alternative hatten und ohne diese Arbeit ihr Leben nicht finanzieren konnten.
Die Liebe in der letzten Lore ist nicht ausgekippt worden:

Der Weg führt auch an der Zeche Nachtigall vorbei – ein hochinteressantes Museum (dort war ich 2020)
Dann ging der Weg unter den Bahntrasse durch und plötzlich mit 20% Steigung rauf zur Straße nach Wengen . Schieben!
Aber natürlich ging es auch wieder runter an die Ruhr und bei Wetter über den Fluss. Eine Extrabrücke für Fahrräder und eine wunderschöne Nachmittags-Stimmung:

Nach ein paar ruhigen Kilometern kam die Eisenbahnbrücke bei Herdecke in Sicht:


Im Ort selber hab ich mich etwas schwer getan, den Bahnhof zu finden. Aber dann kam der Zug und hat mich mitgenommen über Hagen nach Lüdenscheid. Leider ein paar Minuten zu spät, so dass ich mich in Lüdenscheid-Brügge schon auf eine Stunde Wartezeit für die RB 25 nach Gummersbach einstellte (normalerweise hat man dort 3 Minuten Zeit zum Umsteigen, die waren vorbei). Doch während ich noch überlegte, wo ich diese Stunde zubringen könnte (es wurde langsam deutlich kühler), kam mein Zug dann doch – er hatte freundlicherweise auch Verspätung. Ich pflege eben Glück zu haben!