Von der Moldau über die Berge zur Moldau
Dienstag, 26. Mai
Den Anstieg vom Zeltplatz hab ich geschafft – immer schön langsam („pole, pole“ sagte der Bergführer am Kilimandscharo). Und dann ging’s weiter nach Süden (im Prinzip, grobe Richtung). Nach abenteuerlichen Feldweg-Strecken hab ich stellenweise die Eurovelo-Route verschmäht und die Straßen bevorzugt. Irgendwo in der Landschaft musste ich mal wieder an einer Kreuzung nachsehen, ob ich wirklich auf dem richtigen Weg bin.

In der Ferne (Richtung Südwesten) hohe Berge am Horizont. Kenner werden mir sicher sagen können, welche das sind. Ich glaube nur, dass ich da nicht drüber will.

Mittags hab ich an einem kleinen See gerastet und die absolute Ruhe genossen.

Klugerweise hatte ich mir in einem der Dörfer (Klucenice) einen Rotkohl-Salat besorgt – das einzige vegetarische Fertiggericht, was es im Sortiment gab. Etwas Merkwürdiges ist mit dort – in Klucenice – zum zweiten Mal aufgefallen: In meiner Openstreetmap-Karte ist im Ort eine Synagoge eingezeichnet. An dem Haus war nichts zu sehen – wie in einem anderen Dorf, wo ich das schon einmal gesehen hatte. Hier war sogar eine Madonnen-Plakette am Haus. Ich hab nochmal genau nachgesehen: Auf der Karte steht „byv. Synagoga“ und das heißt „ehemalige Synagoge“ – also ein Zeichen für ein früheres jüdisches Leben in den böhmischen Dörfern, das die Nazis ermordet haben. Aber das ist leider nur für Nutzer:innen von Osmand zu erkennen.


Aber jetzt weiter: Die Tour führte mich dann über eine der wenigen hohen Brücken über den See. Ich hatte eine fantastische Aussicht! Und dann wie gehabt auf und ab durch die böhmischen Berge, bis ich in Tyn nad Vltavou wieder am Fluss gelandet bin. Ein paar Kilometer weiter gibt es einen Platz mit der merkwürdigen Bezeichnung „Autokemp“. Ist aber nicht nur für Autofahrer (obwohl es Häuschen gibt, vor denen man das Auto parken kann). Man darf auch zelten. Und zu Abend essen! Die Wirtin/Platzwartin ist ausgesprochen freundlich auch bei schwierigen (vegetarischen) Kunden. Es war wieder ein wunderschöner Tag! Und ich habe gelernt, die Kräfte besser einzuteilen und rechtzeitig „Brennstoff“ zuzuführen, so dass ich diese Etappe gut schaffen konnte