Pfingsten an der Moldau

Pfingsten an der Moldau

24. Mai 2026 0 Von gerhardjenders

Sonntag, 24. Mai 2026

Heute ist Pfingstsonntag und herrliches Wetter – kein Wunder, dass viele Menschen unterwegs sind. Die Strecke nach Prag hab ich gut geschafft, es gibt aber auch an der Moldau abenteuerliche Feld- und Waldwege zu fahren. Und es gab schon vor Prag eine ernsthafte Steigung zu überwinden. Langsam fahren, niedriger Gang, keine Hektik – dann klappt das.

Prag hat mich zwar – wohl in Anlehnung an Dresden – mit zwei Engeln begrüßt.

Aber die Stadt war mir zu voll und zu hektisch, um zu bleiben. Eine merkwürdige Person fuhr mit enormen Krach mit einem Ferrari Runden durch die Stadt, an der Karlsbrücke war der Touristenstrom so dicht, dass man mit einem Foto eine Meldung über eine internationale Demonstration für Irgendwas daraus hätte basteln können. Die Straßen waren voll und weil es Baustellen auf dem Radweg gab, stand ich auch mit dem Fahrrad im Stau. So hab ich es bei ein paar Fotos vom Hradschin und der Karlsbrücke belassen und bin weiter gefahren.

Der Weg an der Moldau entlang lief dann gut weiter. Natürlich war es voll, aber im Gegensatz zu den Rennradler:innen musste ich nicht alle überholen (aber immerhin einige). Ein Blick nach links zeigte mir, dass der Fluss sich ein recht enges Tal gegraben hat.

Das lässt nicht immer Platz für einen Radweg, In Vrané nad Vltavou musste ich rauf. Der angezeigte Weg war mir zu stell, ich musste wirklich schieben! Oben ging es auf einem Waldweg weiter, auch weiter bergauf. Ich konnte zwar fahren, musste aber mit Schlaglöchern kämpfen. Schließlich eine gute Straße und auch wieder bergab. Doch nicht zu früh frohlocken: Die steilste Passage verlief auf einem Waldweg.

Die Schranke war zwar Liegerad kompatibel, aber der Weg war nichts für Schisser wie mich. Ich hab eifrig die Bremse eingesetzt und bin lieber Schritttempo gefahren. Unten hatte ich ein Stück glatten geteerten Radweg, doch für den letzten Kilometer bekam ich noch einmal Feldstein-Pflaster. Belohnt wurde ich dann mit einem ruhigen, unkomplizierten Zeltplatz in Pikovice an der Sazava, einem Nebenfluss der Moldau (Die Rezeption war nicht besetzt, ich hab angerufen, aber bis jetzt ist niemand gekommen).

Im Dorf-Restaurant bekam ich erstens was zu essen und zweitens eine Vorführung des örtlichen Lebens in Form eines „Stammtischs“: Am Ende waren es zehn Männer (und eine Frau – vielleicht die Betreuerin?) – möglicherweise die Dorfältesten. Morgen erwartet mich die eine oder andere Steigung. Die Moldau beliebt – wie manch anderer Fluss – in den Bergen zu entspringen. Und das Bett wird so eng, dass kein Weg am Wasser entlang führt. Das kenne ich ja schon vom Oberlauf der Loire.