Über Theresienstadt an die Moldau

Über Theresienstadt an die Moldau

23. Mai 2026 0 Von gerhardjenders

Samstag, 23. Mai 2026

Ich hab in meinem kleinen Häuschen am Fluss gut geschlafen, zum Frühstück konnte ich mir einen Tisch ans Ufer stellen.

Bei der Weiterfahrt geht der Radweg direkt durch Theresienstadt. Die Stadt hat eine seltsame Atmosphäre, sie wirkt eher ausgestorben, dabei ist sie „ganz normal‘ bewohnt. Einige Gebäude sind verfallen.

Erinnerung an das KZ gibt es in zwei Museen. Im „Ghetto-Museum“, das in der damaligen Schule untergebracht ist, geht es insbesondere um das Schicksal der Kinder und das Leben im Ghetto.

Das berührende Gedicht eines 14-jährigen
In Treppenhaus: Reproduktionen von Kinderzeichnungen

In der „Magdeburger Kaserne“, von der auch Ilse Weber schreibt (ihr ist eine Tafel in der Ausstellung gewidmet), geht es um die zahlreichen Künstler:innen im KZ.

Aus der Tafel für Ilse Weber

Im offenen Raum der Stadt erinnert nur eine kleine Gedenktafel aus CSSR-Zeiten an die von den Nazis ermordeten Kinder

Merkwürdig ist für mich die Vermischung mit der Erinnerung an das soldatische Leben in der Festung im 19. Jahrhundert, dafür gibt es ein „Nostalgie-Museum“ und Tafeln zur Funktion der damaligen Kasernen.

Außerhalb der Stadt ist dann ein Gedenkstein für die Opfer des Holocaust und ein jüdischer Friedhof.

Noch bis Melnik ging es an der Elbe entlang. Erstaunlicher Weise (oder eher bedauerlicher Weise) gib es immer wieder Feldweg-Abschnitte mit tiefen Schlaglöchern. Sowas hindert das fröhliche Vorankommen. Aber ich war unerbittlich: In Melnik bin ich abgebogen auf den Moldau-Radweg. Zunächst hab ich nur einen Seitenkanal der Moldau überquert – immerhin mit schönem Blick auf Melnik und mit einer stilvollen Schleuse.

Erst 10 km weiter hatte ich die erste Sicht auf die Moldau – ein eher schmales Flüsschen, weil ein großer Teil des Wassers im Seitenkanal ist.

Von einer eleganten Brücke aus hatte ich dann einen besseren Blick uf den Fluss.

Dann wurde es aber auch Zeit für meinen Zeltplatz.

Das Schloss war es dann nicht, aber für den nächsten Ort behaupteten mehrere Quellen die Existenz zweier Zeltplätze. Von denen war der erste eine Ziegenweide, der zweite heißt „RaftCamp“ und hat eine Wildwasser-Kajakstrecke von der Moldau abgezweigt. Er hat auch eine Kneipe, die heute Abend wohl Zentrum des Austauschs ist. Worüber die Männer reden, verstehe ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob sie das selbst verstehen, denn sie reden alle durcheinander. Soll nicht mein Problem sein. Ich hab Bier und was zu essen bekommen – und für die Nacht hab ich Ohrstöpsel.

Da fahr ich morgen hin

Über die Moldau führt hier eine alte Eisenbahnbrücke, die einen schönen Rück- und Ausblick ermöglicht.