Anstatt – 19. Juli 2021

20. Juli 2021 1 Von gerhardjenders


Am 17. Juli hab ich nochmal die Bigge-Umrundung gemacht. Dabei hatte ich den Weg über Meinerzhagen vermeiden wollen und bin über Lieberhausen und Peine gefahren. Die Strecke ist deutlich kürzer, hat aber so viel Steigungen (und Abfahrten), dass ich fast genau so lange unterwegs war. Schön war’s trotzdem: Überlauf an der Lister-Talsperre und ein fast mystischer Dunst in der Luft.


Heute hab ich aber den Weg über Meinerzhagen und Sebastopol gewählt. Dazu musste ich nicht auf die Krim, Sebastopol ist im 19. Jahrhundert gegründet worden, es war zeitweise eine Gaststätte, wie mir die Archivarin der Stadt Meinerzhagen mitteilte, als ich mal neugierig nachgefragt hatte. Die Leute hatten damals gern „exotische“ Namen für Neugründungen verwendet und über Sebastopol war damals auch ein Artikel in der „Gartenlaube“ (DEM Magazin der Biedermeier-Zeit) erschienen.


Ich bin am Nordufer der Talsperre geblieben und hab mir diesmal Attendorns Innenstadt angesehen, statt mich nur über das Gewerbegebiet zu ärgern. Hat sich gelohnt, die haben ihre Stadt schön gemacht. Es gibt auch eine „Vergessene Straße“.


Auf dem Weg nach Finnentrop geht der Radweg am Gut Ahausen vorbei, abseits der Straße kommt man am Bahnhof raus.


Wer Finnentrop vom Auto aus kennt, hat einen wenig attraktiven Ort vor Augen. Ganz anders sieht es vom Radweg aus: Spielplätze, Fitness-Geräte, Ruhebänke, Informationstafeln – alles vor kurzer Zeit angelegt und gut gepflegt.. Das Hochwasser der letzten Woche hat den Ort und die Anlagen zum Glück verschont, doch der Radweg war teilweise Meter tief unter Wasser gewesen, wie man am Treibgut erkennen konnte, das im Geländer hing. Auch heute noch musste ich ausweichen, weil der Weg teilweise immernoch überschwemmt war.


Der anschließende Bahndamm-Radweg durch das Frettertal war wieder wunderschön. (Ich hatte ihn 2020 bei einer Kurztour an die Ruhr ausprobiert.) Auch der ist liebevoll gestaltet, die Signalanlagen sehen so aus, als wären sie beleuchtet. Das ist Sauerland-Hightec: Die haben einfach die Klappe, über die man die Glühlampen auswechseln konnte, offen gelassen. Jetzt kommt von hinten das Tageslicht und lässt die Linsen, die das Licht der Lampen für die Lokomotivführer gebündelt hatten, hell leuchten.


Hinter Fretter ging es bald durch den Tunnel, danach tendenziell bergab. In Eslohe hätte ich direkt zum Hennesee fahren können, aber es war mir noch zu früh für den Feierabend und vor allem war der Weg dorthin direkt neben einer nervigen Straße. Deshalb hab ich mich entscheiden, weiter per Bahndamm an die Ruhr zu fahren, dann flussaufwärts nach Meschede und von dort zum Zeltplatz am Hennesee. War etwas länger, aber eine schöne Strecke. Im Restaurant Seeblick gibt es seit heute einen vegetarischen Burger (lecker, kann ich empfehlen) – mal wieder passt alles für mich!
Morgen geht es über Winterberg an den Edersee. Mal sehen.