Am Atlantik

Am Atlantik

11. Juli 2023 3 Von gerhardjenders

Dienstag, 11. Juli
Dummerweise war das Hinterrad am Morgen wieder platt. Also erstmal Zelt abbauen usw., solange die Finger noch sauber sind. Dann frühstücken (der Platzwart hatte Croissant und Pain au Chocolat besorgt, Kaffee gab’s umsonst dazu), um die Gedanken zu sammeln.
Als erstes hab ich den alten Schlauch, den ich am Sonntag ausgebaut hatte, geflickt. Dann Hinterrad-Ausbau, den Schlauch ersetzen (vorher den Mantel gründlich auf Dornen untersuchen – nichts gefunden), Einbau des Rades und den zweiten Schlauch flicken. Die Standpumpe, die mir der Platzwart geliehen hat, war eine große Hilfe dabei.
Wieso die Reifen platt wurden, ist mir ein Rätsel. Ich habe die Passagen aus grobem Kopfsteinpflaster in Verdacht, über die ich vielleicht etwas zu forsch gefahren bin. Ab jetzt schieb ich über solche Abschnitte, um das Material zu schonen.
Auf dem Weg hab ich festgestellt, dass es auch hier „unten“ wieder Felsen an der Loire gibt.


In Nantes wollte ich eigentlich „Les Machines de l’Ile“ besuchen, aber das war mir zu voll. Auf der Insel gibt es alte Werkshallen, die in moderne Architektur integriert sind. Auch eine alte Bunkeranlage wird genutzt.


Eindrucksvoll fand ich eine Gedenkstätte zur Abschaffung der Sklaverei. Nantes war das Zentrum des Sklavenhandel in Frankreich gewesen.


Um für weitere Pannen gewappnet zu sein, hab ich in der Stadt noch einen Satz Ersatzschläuche gekauft.
Der Weg aus der Stadt raus war etwas nervig: viel Industrie, Hafenbetriebe und – was mich erschreckte – ganze Siedlungen aus Zelten und Wohnwagen, in denen anscheinend Menschen wohnen, die keine feste Bleibe haben.
Ein Turm ist der Rest einer ehemaligen Industrie-Anlage. In diesem Fall ist es erfreulich, dass es sie nicht mehr gibt, denn hier wurde Munition hergestellt.


Dann ging es mit einer Fähre ans andere Ufer der Loire, die hier schon ziemlich nach Meer aussieht. Das Departement heißt auch Loire-Atlantique.


In Painbœuf ist der Blick auf das andere Ufer schon deutlich weniger beschaulich, dafür gibt es interessante Kamin-Skulpturen. Am Fluss sieht man, dass das Meer nahe ist: die Tide wirkt sich aus.


Es schien übrigens, dass das Meer mich nicht will – der Gegenwind.war heftig.
Bald kam auch schon die letzte Loire-Brücke, die nach St. Nazaire führt, in Sicht. Da muss ich aber nicht rüber, denn was sollte dort drüben schöner sein?


Nach einigem falschen Abbiegen kam ich in Saint-Brévin-les-Pins an, das liegt wirklich am Atlantik!

Der Platz ist nicht direkt am Strand, zum Baden ist es auch zu kalt, aber ich bin am Ziel!


Der erste Zeltplatz war belegt, aber der nächste, nur drei Kilometer weiter südlich, hatte noch Platz.
So bin ich also nach 23 Tagen und 2400 Kilometern am Ozean angekommen.
Morgen sehe ich, wie ich weiter bzw. zurück komme.